Peter Knapp GmbH Berlin-Coaching, Mediation, Verhandlungstraining und Konfliktmanagement


Peter Knapp

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Streitkultur 2010 - Kongress des BM - 16.-18.9.2010

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Um es gleich vorwegzunehmen: Ein von Anfang bis Ende gelungener Kongress!

Weit über 500 Besucher fanden sich im Hotel Berlin Berlin ein. Tatsächlich hatte der Bundesverband Mediation Grund zum Feiern: 18 Jahre nach seiner Gründung präsentiert er sich mit 1500 Mitgliedern und einer kontinuierlich qualifizierten Arbeit im Dienste der Mediation. Am gleichen Tag erschien übrigens die Frankfurter Allgemeine Zeitung mit „Wulf als Mediator" auf der Titelseite und Harald Schmidt erklärte abends in seiner Sendung, dass Mediatoren vermitteln und eine neue wichtige Tätigkeit in unserer Gesellschaft ausüben – fast wie bestellt...

Aber zum Kongress: Mit dem gesungenen Auftakt „This is the Moment“ wurde der Kongress feierlich begonnen. Prof. Dr. Joachim Bauer hielt den Eröffnungsvortrag. Der erste Tag war den Wurzeln der Mediation gewidmet. Dazu moderierte Tilman Metzger eine Podiumsdiskussion mit vier Vertretern unterschiedlicher Mediationsrichtungen. Ortrud Hagedorn repräsentierte die ehrenamtliche Tätigkeit von Mediatoren/innen, besonders im Schulbereich, als Konfliklotsen. Anita von Hertel vertrat die Richtung „Mediation als Dienstleistung", Christoph Paul erläuterte, warum Mediation eine Haltung ist. Und schließlich pointierte Harald Pühl Mediation als Beratungstool. Die Diskussion war lebhaft und phasenweise kontrovers. Schließlich zeigte sich jedoch, dass die unterschiedlichen Richtungen den anderen Positionen etwas abgewinnen konnten. Abgerundet wurde die Podiumsdiskussion durch den Auftritt der Playback-Gruppe „Just-now", die viel Applaus und Begeisterung auslöste.

Der zweite Tag stand unter dem Motto „Mediation heute" und begann mit einem Vortrag zum Thema „Gleichheit, Freiheit, Brüderlichkeit". Dabei kamen Themen der Mediation und des Mediationsverbandes zur Sprache, die einer Überprüfung harren wie zum Beispiel das Prinzip der Freiwilligkeit. Wie freiwillig sind die Mediationen tatsächlich, die wir machen? Und wie gleich sind die Konfliktpartner, die in die Mediation kommen?

Im Laufe des Freitags und auch des Samstags wurde die Vielfalt der Mediationsszene und der im Bundesverband Mediation versammelten Kompetenzen in den vielfältigen Workshops deutlich. Schon allein der Blick auf die versammelten Kongressteilnehmer – ob jung oder fortgeschrittenen Alters, ob stilvoll oder leger - offenbarte eine Vielfalt und Buntheit, die immer wieder beeindruckend ist und die den Verband auszeichnet.

Abends feierte und tanzte der Kongress - auch ein Merkmal dieses Verbandes, der einerseits Kompetenz zeigt und andererseits Feste feiern kann.

Der Samstag war der Zukunft gewidmet - welche Konflikte bringt die Zukunft und wofür müssen die Mediatoren/innen des 21. Jahrhunderts gerüstet sein? Prof. Dr. Kreibich, Zukunftsforscher zeichnete in seinem Vortrag „Sie tun nicht was sie wissen" ein düsteres Bild, besonders im Hinblick auf die Umweltzerstörung. Wenn China schon heute seine agrarischen Flächen fast komplett ausnutzt und sich nicht mehr selbst ernähren kann, ahnt man, welche Konflikte und Herausforderungen die Zukunft bereit hält.

Mehrere Workshops beschäftigten sich mit Themen der Zukunft. Nachmittags hielt Prof. Stephan Breidenbach einen Vortrag zu den Perspektiven der Mediation und erläuterte, in welchen Arbeitsfeldern die Kompetenz von Mediatoren/innen zukünftig gefragt und von Nutzen sein wird. Zum Beispiel kann Mediation als Führungsinstrument eingesetzt werden oder zur Unterstützung neuer Formen der Partizipation beitragen.

Abgeschlossen wurde der Kongress mit Standing Ovations für das Kongressleitungsteam, Sosan Azad, Roland Kunkel, Rita Wawrzinek und Doris Wietfeldt, die mit der Unterstützung von unzähligen Projektleitern und deren Projektgruppen diesen fantastischen Kongress in zweijähriger Arbeit vorbereitet und organisiert haben. Hut ab vor dieser ehrenamtlichen Glanzleistung und bis in 2 Jahren beim nächsten Kongress des Bundesverbandes Mediation.

 

Kommentare 

 
#1 Andreas Lehmann 2010-10-05 12:49
Zur Geschichte der Mediation:

Angeregt durch den Vortrag "Macht in der MEdiation" von Fr.Harms und Fr.Glaveris auf dem Kongress habe ich nochmal "Kultur, um der Freiheit willen" (C. Meier) gelesen.

Darin geht´s um die Frage, wie es zur klassisch - griechischen Kultur kommen konnte und was sie auszeichnete. Wieso war sie ("David") in der Lage, das Perserreich ("Goliath") zu besiegen und damit "Europa gegen Asien zu verteidigen"? Wieso hat sich im Griechenland der Stadtstaaten auf Dauer kein Tyrann, kein König durchsetzen können? Ist das, was dort geschehen ist, die "Geburt Europas" im Sinne unseres auf "Freiheit - Gleichheit - Brüderlichkeit" basierenden politischen Systems?

"... Ausgleich, Balance, Erkenntnis und Ausdruck finden ansichts einer Unzahl von Problemen, die andere vermittels Herrschaft zu lösen pflegen" (Klappentext).

Meier beschreibt, wie sich zwischen 800 und 500 v. Chr. in den Stadtstaaten frühdemokratische (allerdings nur für freie Männer geltende) Strukturen entwickelten. Er zieht eine direkte Linie von Adelskämpfen in den Städten, die die Bürgerschaft spalteten, zum zunächst philophischen, dann politischen Voraus-Denken über eine ausgewogenere Machtverteilung (Solon u.a.).
Die Städte scheinen "Weise" aus anderen Städten oder Gelehrte aus Delphi als "Ins-Lot-Richter" - als Mediatoren - hinzugezogen zu haben, wenn sie ihre Konflikte nicht mehr alleine regeln konnten. Zum Teil erhielten diese Schlichter weitreichende Befungisse (bis in zur Neuverteilung von Grundbesitz, um die Blance der Macht wieder her zu stellen). Manche behielten die Macht - und wurden Tyrannen - doch nie dauerhaft.

Um die Machtbalance zu erhalten, war eine Beteiligung größerer Teile der Bevölkerung erforderlich: nur ein hoher Organisationsgrad der vielen "Mittleren" war in der Lage, dem Machtmißbrauch durch einzelne "Obere" Grenzen zu setzen.

Also: die Not zur Konfliktlösung diente als Grundlage der (früh-) demokratischen Ordnung.
Ergebnis: hohe Identifikation und Motivation verbunden mit individueller Entscheidungsfähig keit in Krisen (kurz: Selbstorganisation ), so dass der Angriff des Perserreich abgewehrt werden konnte.

Im Flyer zum Forschungsprojekt Mediationskompeten z steht: "Mediative Kompetenzen sind Fähigkeiten zu selbstorganisierte m Denken und Handeln..."

Andererseits: es ist erst 20 Jahre her, dass unser halbes Land seine Konflikte mit sozialer Demütigung, Stasi und Stacheldraht "bearbeitet" hat. Die Mächtigen dort waren nicht weiter als die Griechen vor 2800 Jahren.

Andreas Lehmann
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